16th Cyprus Aphrodite Half Marathon 2009

Eine vorweihnachtliche Stimmung wollte sich bei mir beim diesjährigen Laufurlaub in Paphos so gar nicht recht entwickeln. Das Wetter war einfach zu gut mit täglichem Sonnenschein von morgens bis abends und erinnerte viel mehr an längst vergangene Sommertage. Die Klimatabelle (habe mein Thermometer nie dabei) für die Küstenzone im Monat November gibt für die Tageshöchsttemperatur 22 °C, für die tiefste Temperatur nachts 12 °C und für die Wassertemperatur 22 °C an.

Vielleicht hat da Nils Krekenbaum von Kreienbaum Laufreisen seine Hand mit im Spiel gehabt. Nils ist der neue, umtriebige Inhaber, der seine Laufreisegruppe nach Zypern begleitet. Er ist bei den täglichen Trainingsläufen dabei, schaut bei den Ausflügen nach dem Rechten, organisiert einen Filmabend mit dem Streifen "Spirit of the Marathon" zur Einstimmung auf das Laufereignis und führt seine Athleten vom Hotel zum Start in das Geroskipou Municipal Stadion.

Später werden 259 Läufer auf der Finisherliste der Paphos-Laufveranstaltung stehen. Das neue Stadion bietet weitaus mehr Startern Platz. Als relativ langsamer Ausdauersportler finde ich Veranstaltungen mit größerer Teilnehmerzahl besser. Die Attraktivität für Laufsport in Paphos würde nach meiner Meinung zunehmen, wenn man alle vier Laufveranstaltungen der 50 000-Einwohner-Stadt zu einem Ereignis zusammenfassen würde.

Bis dahin können die Sportler und ihre Angehörigen den vorhandenen Platz im neuen Stadion ohne Gedränge nutzen. Wie an jedem Urlaubstag hier, scheint auch am Lauftag seit Sonnenaufgang die Sonne. Die Menschen im Stadion genießen (noch) die wärmenden Sonnenstrahlen. Der Renndirektor und Präsident des Cyprus Health Runners´ Club mit den lockigen Haaren, Herr Mikis Hadjineophytou, ist aus Nikosia angereist. Er moderiert die Veranstaltung, bewacht und beschützt (vor den Rasensprengern) die begehrten Pokale. Einige Sportler laufen sich warm, andere dehnen Muskeln und andere Zubehörteile. Immer mehr Menschen suchen ein schattiges Plätzchen. Vor dem Start wage ich mich auch noch mal in die Sonne, um mit der Kamera die Stimmung einzufangen.

Um 10:00h gibt der Renndirektor das Signal für den Start der Halbmarathonläufer. Die Athleten starten in Richtung Stadionausgang, müssen aber vorher noch eine Tartanrunde absolvieren. Seit meiner letzten Teilnahme am Aphrodite-Lauf 2003 sind einige Streckenänderungen durchgeführt worden. Wo vor einigen Jahren der Kurs vom Cypria-Maris-Sportplatz auf dem kürzesten Weg zur Poseidonos Street führte sind jetzt durch zwei Pendelstrecken fast sieben Kilometer Strecke untergebracht. Am Anfang laufen die Sportler auf einer Landstraße durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend Zyperns: Felder, Orangenplantagen und Zypressenanplanzungen. Weiter in Richtung Meer stehen vereinzelt Häuser. Ab Kilometer 7 beginnt die Hotelgegend. In Laufberichten kommt diese Art der Bebauung immer schlecht weg. Ich habe nichts dagegen einzuwenden. Hotels sind attraktivere Gebäude als Wohnhäuser, die Vorgärten sind sehr schön, die Straße ist sauber und mit Laubbäumen und Palmen bepflanzt. Zum Schattenspenden für Läufer taugen sie leider nicht viel.

Die Ausdauersportler haben seit einiger Zeit ihre Betriebstemperatur erreicht und die Wärme macht sich mehr und mehr bemerkbar. Ich gehe dazu über, an der Getränkestation drei Becher Wasser zu nehmen. Einen gieße ich über den Rücken, den zweiten in den Hals und den dritten über meinen Brustkorb. Von nun an arbeitet mein Spargelsprinter- und Funktionsshirt ein wenig besser.

Die halbe Straßenseite ist durch Polizisten und zivile Helfer freigehalten. Pfadfinder in Kluft und Schüler fungieren zuverlässig als Wegweiser. Auf ihrem letzten Stück geht die Poseidonos Street bergab. Endlich kann ich mal ordentlich Tempo machen und die nun zahlreicher gewordenen Fußgänger im Hafen beeindrucken. Die wollen sich aber gar nicht beeindrucken lassen, genießen den vorweihnachtlichen Sonnenschein und zeigen Gelassenheit.

An dieser Stelle bog bei meiner letzten Teilnahme noch die Strecke rechts auf die Apostolou Pavlou Street ab. Da sich auf der Apostel-Straße hin und wieder Läufer und Autos in die Quere kamen, verläuft nun der Kurs bis zur Hafenfestung. Von dort aus geht´s im rechten Winkel auf einem Fußweg weiter. Mit dem Meer auf der einen und den archäologischen Grabungsstätten auf der anderen Seite sollte in dieser Richtung bald die Wendemarke erreicht sein. Ich laufe und laufe, nur von dem Wendepunkt ist nichts zu sehen. Den kompletten Streckenplan hatte ich mir gut eingeprägt, aber von einer Inselumrundung stand da nichts drin. Endlich, nach vielen gefühlten Kilometern erreiche ich den Return Point. Gehe in eine elegante Spitzkurve - die Zyprerin am Check Point ist begeistert - und mache mich auf den Rückweg. Mit dem Verbesserungsvorschlag im Kopf, Herr Mikis könne doch bitte mal einen maßstabsgerechten Streckenplan erstellen lassen.

Meine Beine werden langsam schwerer und ich spüre, dass das heute nicht mein Tag ist. Muss zwischendurch Gehpausen einlegen, um das letzte Drittel bis zum Stadion zu schaffen. An der Einfahrt zum Stadion wartet bereits meine liebe Frau mit einer Getränkeflasche als Ersatz für einen Pokal. Ich freue mich darüber und dass ich im Stadion angekommen bin. Andere Athleten waren weitaus erfolgreicher: Den ersten Platz belegte Kassahun Gebel aus Äthiopien mit 01:08:03 h. Georgia Ambatzidou aus Griechenland kam mit 01:19:13 h als erste Frau in´s Ziel. Zuschauer berichten von einer Rangelei beim Zieleinlauf zwischen dem erstplazierten der Männer und dem Ungarn Zsolt Benedek. Auf dem dritten Platz lag Dan Hornery aus Australien. Er ist 29 Jahre alt, Bankangestellter aus Melbourne und hat sich ein Jahr von seinem Beruf frei genommen. Nun tourt er durch die Welt, um an Laufveranstaltungen teilzunehmen.

Am Getränkewagen von Keo (Getränkehersteller und Hauptsponsor) herrscht reges Treiben. Es gibt dort verschiedene Softdrinks und Bier, aber zu meiner großen Enttäuschung keinen Wein wie bei meinen letzten drei Teilnahmen am Aphrodite-Lauf. Hier und da ist ein Läufer so geschafft, dass er sich auf der Tartanbahn der Länge nach ausstreckt. Andere hingegen sind so putzmunter wie die drei Zyprer, die übermütig den Sirtaki tanzen. Kulturinteressierte Sportler schauen sich die Volkstanzgruppe an, bis Herr Mikis die Siegerehrung durchführt.

Wieder im Athena Beach Hotel angekommen, bleibt nicht viel Zeit zum Trödeln. Auf dem Programm steht noch die interne Siegerehrung der Kreienbaum-Athleten und am frühen Abend beginnt die Gala-Dinner-Party. Diese Feier ist ein schöner Abschluss des Tages mit Essen, Musik-/Tanzdarbietungen und Tanz der Reiseteilnehmer sowie der zyprischen Sportler.

Die Woche in Paphos hat meiner Frau Regina und mir gut gefallen. Das Wetter war Ende November überdurchschnittlich gut und Nils Krekenbaum (der neue Inhaber) hat bei uns einen ganz und gar positiven Eindruck hinterlassen. Es war sicher nicht das letzte Mal, dass wir zum Jahresende hin an diesem Ereignis teilgenommen haben.

Rainer Lingemann
Burgdorf

Quelle: http://www.spargelsprinter.homepage.t-online.de
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