Märchenstadt an der Düna

Riga Marathon 2010

Wer das Märchen der Bremer Stadtmusikanten kennt und die Skulptur betrachtet, die in Riga als Geschenk der Partnerstadt Bremen seit 1990 steht, mag sich in ihrer Symbolik vielleicht ein wenig an die zurückgewonnene Freiheit erinnern, die sich die Letten 1991 erkämpften. Danach schien das Land wie aus einem Dornröschenschlaf erwacht zu sein. Auch der Riga Marathon wurde damals ins Leben gerufen und ist heute das am stärksten wachsende Laufevent in Nordeuropa.

Riga Marathon und Halbmarathon

Zu diesem Ereignis begleitete ich eine Gruppe von rund 50 Läufern mit Nils Krekenbaum von Sportreisen Kreienbaum. Direkt aus einem Märchen scheint die historische Altstadt und die beeindruckende Jugendstilarchitektur mit ihren verspielten Figuren und prachtvollen Verzierungen zu sein, die seit 1997 zum Weltkulturerbe zählt.

Ein beliebter Treffpunkt ist der Livenplatz mit seinen Cafés vor einem malerischen Häuserensemble. An den Rand der Altstadt grenzt der romantische Bastejkalns Park. Traditionell befestigen dort Paare nach der Trauung an einer kleinen Brücke Schlösser und werfen den Schlüssel in den Kanal als Symbol für ihre ewige Liebe. Diese und unzählige weitere Eindrücke prägten unseren Aufenthalt vor dem Marathon.

Am 23.05.2010 fanden sich bei strahlendem Sonnenschein über 11.000 Läufer aus 45 Ländern an der Startlinie am Ufer der Düna ein. Nach den Finnen kamen die meisten ausländischen Teilnehmer aus Deutschland. Zunächst starteten die 7.800 Läufer des Fünf-Kilometer-Rennens. Sie waren vielfach lustig kostümiert und ließen Karnevalsstimmung aufkommen, so beispielsweise die Gruppe einer Rigaer Seifenfabrik, die bezeichnenderweise in Bademänteln auftrat.

Riga Marathon und Halbmarathon

Um die Veranstaltung noch attraktiver zu gestalten, wurden die Strecken erstmals auch durch die historische Altstadt geführt. Den Teilnehmern reichte man dabei ausreichend Wasser, Iso-Getränke, Bananen und Orangen an. Allerorten spielten Blaskapellen und Bands. Cheerleader feuerten die wackeren Marathonis an, bis nach und nach mehr als 10.000 Läufer der unterschiedlichen Wettbewerbe ihr Ziel erschöpft, aber zufrieden und überglücklich erreichten. Alle Finisher wurden mit Medaillen, Getränken und belegten Broten versorgt. Jede Frau durfte sich zudem über eine Rose freuen.

Eine Besonderheit der Kreienbaum Laufreisen sind die Anschlussreisen und Ausflüge zu kulturellen und landschaftlichen Schönheiten der jeweiligen Region. So führten uns die folgenden fünf Tage quer durch Litauen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Im malerischen Kaunas machten wir zufällig die Bekanntschaft mit dem aus dem hessischen Bebra stammenden Franziskaner Pater Severin, der als geistlicher Begleiter der Priesteramtskandidaten vor 17 Jahren dort eine neue Heimat gefunden hat. Als Fazit halte ich fest: eine insgesamt unvergessliche Reise für kulturell interessierte Läufer, die Appetit auf mehr und Neues macht.

09/2010 RUNNING Fotoreportage Riga Marathon

Text und Fotos: Wieland Vosseler
Copyright 09/2010 RUNNING