Reisebericht Malta - Marathon 2009

Land Rover Malta – Marathon “Lauf in den Frühling“ von Bernd Neumann

In diesem Jahr ist der Winter besonders lang und kalt und nach der Kälte beim Apeldoorn-Marathon kann ich es kaum erwarten, Plusgrade im zweistelligen Bereich. Angie und ich freuen uns schon auf eine schöne Laufreise mit frühlingshaften Temperaturen, 2000 km südlich von Vellmar. Schon im Herbst hatten wir uns dazu entschlossen, komplett mit Ausflugsprogramm.

Die kleine Mittelmeerinsel Malta (316 qkm, 385.000 Einwohner) liegt ungefähr 90 Kilometer südlich von Sizilien, gehört seit 2004 zur EU und seit 2008 ist der Euro offizielles Zahlungsmittel. Hauptstadt ist Valletta mit etwa 7.000 Einwohnern. Gesprochen wird englisch und maltesisch, was zu den semitischen (arabischen) Sprachen gehört, mit der Besonderheit, dass lateinisch geschrieben wird. Der Name Malta entwickelte sich aus dem phönizischen Malet (Hafen, Zufluchtsort). Die Engländer waren hier und hinterließen der Insel den Linksverkehr. Als 1798 Malta von den Franzosen erobert wurde, riefen die Malteser die Engländer zu Hilfe. Denen gefiel die strategisch günstig gelegene Insel so gut, dass sie gar nicht mehr weg wollten und Malta 1814 in ihr Kolonialreich „aufnahmen“. Erst 1964 wurde Malta unabhängig. Die britischen Truppen zogen 1979 ab und die Touristen kamen. Zuvor schon hinterließen Phönizier, Griechen, Karthager, Römer, Sarazenen, Normannen und die Johanniter auf Malta und den Nachbarinseln Gozo und Comino ihre Spuren. Zeugen einer noch viel älteren Vergangenheit aber sind riesige Megalithtempel, die es sonst nirgendwo gibt und die älter sind als die Pyramiden in Ägypten. Geprägt wird Malta vornehmlich durch die Herrschaft des Ritterordens vom Hl. Johannes (1530 – 1798). Sie bekamen die Inselgruppe von Karl V. geschenkt, nachdem sie Jerusalem und Rhodos aufgeben mussten und sich fortan Malteser nannten. Der erfolgreiche Widerstand der Ordensritter (und maltesischer Hilfstruppen) gegen die Türken (Große Belagerung 1565) stoppt das Vordringen des osmanischen Reiches in das westliche Mittelmeer. 1798 wird Malta von Napoleon erobert, die Malteser rufen die Briten zu Hilfe und werden 1814 britische Kolonie. 1964 wird Malta unabhängig und 1979 ziehen die britischen Truppen ab. Woher kommt das Kreuz in der Maltesischen Nationalflagge? Auf der Nationalflagge ist das Sankt- Georgskreuz und das hat auch mit dem Hafen zu tun. Im zweiten Weltkrieg kam es zu heftigen Kämpfen, weil von hier aus der Nachschub für das deutsche Afrikacorps empfindlich gestört wurde. Dafür erhielt die Bevölkerung der Insel vom Englischen König das Georgskreuz verliehen.

Mittwoch – 25.2.2009 Am Mittwoch schon früh ging unsere Maschine von Paderborn über Nürnberg nach Malta. Nach einem guten Flug ging es per Taxiabholung direkt zu unserem Hotel nach Bugibba. Nach einem Spaziergang in der Sonne wurde der späte Nachmittag kühl und regnerisch.

Donnerstag – 26.2.2009 Am nächsten Morgen lachte schon wieder die Sonne und nach einer halben Stunde lockerem Lauf ging es zum ausgiebigen engl. Frühstück. Für heute war schon der erste Ausflug geplant. Wir fuhren mit einem Bus über Mosta zur Blauen Grotte in der Nähe von Zurrieq. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten wir die Stelle der kleinen Fischerboote die uns die Naturwunder, die Grotten im Wasser vom Meer aus zeigten. Während einer solchen Bootsfahrt besichtigt man innerhalb weniger Minuten mehrere Höhlen, die in der Steinküste liegen. Je nach Sonnenstand ist das Wasser in fast allen Höhlen und Felseinbuchtungen leuchtend türkis gefärbt. Steht die Sonne besonders günstig, reflektieren zudem auch noch die Höhlendecken das helle Blau, was einen besonders ansprechenden Gesamteindruck hervorruft. Das gesamte Innere der Höhlen erscheint dann blau. Diese Tatsache und ein reichlicher Algenwuchs haben zur Namensgebung beigetragen. Eine besondere Laune der Natur ist ein eindrucksvoller, etliche Meter hoher Felsbogen, der viele Ansichtskarten ziert, die man in maltesischen Andenkengeschäften kaufen kann. Fast jede Bootstour führt die Besucher zu diesem ebenso auffälligen wie beeindruckenden Naturkunstwerk. Oben auf den Felsen stehen noch heute die Reste des Scintu Tower, eines im 17. Jahrhundert errichteten Turm. Anschließend fahren wir weiter ins Landesinnere um dort die Tempelanlagen von Tarxien zu besuchen.

Tarxien liegt 6 km südöstlich von Valletta. Bei den Tarxien-Tempeln handelt es sich um die besterhaltene neolithische Kultanlage Maltas. Die letzten Tempel dieses Areal entstanden erst zwischen 3000 und 2500 v. Chr. Die Tempelanlage besteht aus drei gut erhaltenen miteinander verbundenen Tempeln und weiteren Heiligtümern, von denen allerdings nur noch Reste vorhanden sind. Wegen der Größe der gesamten Anlage, wird vermutet, dass sich hier das religiöse und wirtschaftliche Zentrum der maltesischen Megalithkultur befand. Vom Eingang gelangt man zunächst in den Südwesttempel, vor dem man einige Steinkugeln sieht, die als Transportrollen für die tonnenschweren Megalithplatten verwendet wurden Rechts steht auf einem flachen, mit eierförmigen Verzierungen geschmückten Steinblock die kolossale Magna-Mater-Statue, die bei den Ausgrabungen von den Archäologen an dieser Stelle gefunden wurde. Von der ehemals 3m hohen Statue ist allerdings nur der untere Teil erhalten. Geradeaus weiter kommt man zum Allerheiligsten, vor dem sich ein etwa 3m langer, mit Spiralmotiven verzierter Schwellenaltar befindet. Im Zentraltempel führt eine Nische zu einem kleinen Raum, an dessen Wänden das Relief zweier Stiere und einer Sau mit Ferkeln eingefügt ist. Wenn man dann weiter geht gelangt man in den Osttempel, den ältesten der drei verbundenen Tempel. Östlich davon befinden sich die spärlichen Überreste von weitern Heiligtümern. Nach kurzem Aufenthalt geht es weiter nach Marsaxlokk (sprich: "marsaschlock"). Marsaxlokk heißt übersetzt "Hafen des warmen Windes" und liegt in einer Bucht an der Ostküste Maltas. Zu den 2.800 Einwohnern des malerischen Fischerdorfes, gesellen sich täglich einheimische und ausländische Tagesgäste in großer Zahl. An der Uferpromenade, findet in den Morgen und frühen Nachmittagstunden, ein Markt statt, auf dem Bekleidungsartikel, Lederwaren, Souvenirs und Fisch angeboten wird. Wir schlendern etwas über den Markt und schauen uns die Stände an. Danach gehen wir weiter an der Pfarrkirche Our Lady of Pompei, die einen schönen Hintergrund für den malerischen Hafen liefert weiter. Im Hafen selbst bestimmen die vielen bunten Fischerboote, auch Luzzi genannt ein malerisches Bild. Nach der Rückkehr im Hotel machen wir noch einen lockeren Lauf und gehen abends in ein Pub. Hier geht alles nur um Fußball, denn in allen Ecken sind große Bildschirme, die verschiedene Spiele aus der engl. und ital. Liga zeigen. Da wir Deutsche sind wird in unserer Ecke ein deutsches Spiel gezeigt.

Freitag – 27.2.2009 Für den Freitag ist schon der nächste Ausflug geplant, heute geht es erst ins landesinnere nach Mosta, das 15 km südwestlich von Valletta liegt. Dieses kleine Städtchen, indem 17.000 Einwohner leben hat als größte Sehenswürdigkeit die Maria-Himmelsfahrtskirche, oder auch einfach nur kurz Rotunda genannt. Die Bewohner Mostas behaupten stolz, dass sie die drittgrößte Kuppelkirche Europas besitzen. In der Tat weist die riesige Kuppel mit einem Durchmesser von 52m und einer Höhe von 60m stattliche Ausmaße auf. Die Kirche entstand zwischen 1833 und 1871. Die Vorhalle aus sechs Säulenpaaren wird von zwei hohen Glockentürmen flankiert. Um zu sparen, wurde die Kirche aus Spenden und der tatkräftigen Mitarbeit der Dorfbewohner vollkommen ohne Gerüst erbaut. In dem in den Farben Blau, Weiß und Gold gehaltenen Innenraum finden 12.000 Menschen Platz. Die Gemälde an der Wand, zeigen das Leben Jesu Christi, von der Geburt bis zu seiner Himmelfahrt. Zur Erinnerung an ein "Wunder" während des Zweiten Weltkrieges, wird in der Sakristei eine deutsche Fliegerbombe aufbewahrt. Während eines Deutschen Luftangriffes 1942 fiel die Bombe auf die Kirche und durchschlug das Gebäude, explodierte aber nicht. Keiner der 300 Kirchenbesucher kam damals zu schaden. Nach der Besichtigung gehen wir wieder zum Bus und fahren weiter in süd-westlicher zu den Dingli Cliffs. Kurz davor hält der Bus bei den Clapham Junction und wir können die tiefen Karrenspuren im Felsen bewundern.

Bei den Clapham Junction handelt es sich um die eindrucksvolle Sammlung von sog. Gleitkarrenspuren die tief in den Felsenboden ragen. Den Namen erhielten die Clapham Junction von einem englischen Besucher, der sich bei den Ausweichstellen bildenden Furchen an einen Eisenbahnknotenpunkt in London erinnert fühlte. Die Rillenpaare sind in einem Abstand von 1,32m bis 1,47m in den Felsboden eingefugt und sind bis zu 75cm tief. Gesichert ist die Annahme, das diese Spuren in der Bronzezeit zwischen 2.000 und 1.000 v. Chr. entstanden. Welchen Zweck die Bevölkerung der Bronzezeit mit diesem Schienennetz verfolgte ist allerdings bis heute ein Rätsel. Vermutet wird allerdings, dass es sich um ein Transportnetz handelt. An der St. Mary Magdalene Capel steigen wir aus und gehen an die Felsklippen von wo man eine wunderschöne Aussicht hat. Die Klippen wurden benannt nach dem englischen Ritter Sir Thomas Dingley der sich hier 1541 nieder ließ. Das Dorf Dingli liegt auf 250m und ist damit das höchst gelegene Dorf Maltas. Hier an diesem Küstenabschnitt, fallen die Dingli Cliffs in zwei Stufen zum Meer hin ab. Dazwischen erstreckt sich eine landwirtschaftlich genutzte Terrasse. Anschließend fahren wir Richtung Mdina, der im Zentrum der Insel gelegenen einstigen Hauptstadt Maltas. Wir halten in Rabat das unmittelbar vor Medina liegt. In römischer Zeit umschloss eine gemeinsame Stadtmauer Mdina und Rabat. Die Mauer zerfiel allerdings langsam als die Araber um 870 beide Städte voneinander getrennt hatten.  Wir gehen zu Fuß durch die engen Gassen zum St. Paul Square. Hier befindet sich die St. Pauls Church mit der St. Pauls Grotto. Die Kirche wurde im 17. Jh. errichtet aber später mehrfach umgebaut. Unterhalb der Kirche befindet sich die Paulusgrotte, in der der Apostel Paulus eine kurze Zeit gefangen gehalten wurde. Eine Alabaster-Statue erinnert an die Legende, dass Paulus sich hier predigend und heilend aufgehalten habe. Nach einem Schiffbruch vor Malta, begründete Paulus um 60 n.Chr. damit die frühe christliche Kirche auf Malta.

Der weitere Weg führt uns durch schmale Gassen bis zur Stadtbefestigung von Mdina. Mdina hat heute nur 350 Einwohner und mutet noch immer Mittelalterlich an. Schon aus der Ferne bietet Mdina durch seine gewaltigen Festungsmauern hoch über der Ebene ein imposantes Bild. Die vielen Paläste, Kirchen und Klöster, sowie die engen Gassen bestimmen das Bild und schaffen eine Atmosphäre in der die Zeit still zu stehen scheint. Etwas störend ist lediglich der Autoverkehr, der zwar nicht stark ist aber trotzdem den Gesamteindruck irgendwie stört. Der Platz vor dem Main Gate ist auch gleichzeitig der Startplatz für den Full- und Half-Marathon am Sonntag.
Howard Gardens heißt der Platz an dem auch viele Pferdekutschen auf Touristen warten um sie durch die schmalen Gassen von Mdina zu fahren. Wir betreten Mdina durch das Main Gate, direkt dahinter befindet sich ein kleiner Platz, an dem sich links der Tower of the Standart aus dem 16. Jh. erhebt. Links befindet sich der Vilhena Palace der heute das Museum für Naturgeschichte beherbergt. Wir folgen der Villegaignon Street und kommen vorbei an der Chapel of St. Agatha, der Chapel of St. Benedict und der Casa Inguanez. Von der Stadtmauer hat man einen schönen Blick über fast die gesamte Insel, denn wir sind hier ganz zentral in der Mitte. Bevor wir zurück zum Bus gehen, gehen wir noch in eine Ausstellung von Mdinaglas. Hier sind wir überwältig von den wunderschönen Arbeiten und großen Auswahl. Die Glaskunst auf Malta ist im Vergleich zur Töpferkunst relativ jung, obwohl sie auf den Inseln auch schon in der phönizischen Zeit nachgewiesen werden kann. Die Glaswaren werden durch den Mund geblasen und von Hand gearbeitet. Oft wird durch die Einarbeitung starker mediterraner Farben das typische maltesische Design gestaltet. Die Töpferei gehört zu den ältesten maltesischen Handwerken. Viele ausgegrabene Stücke aus der megelithischen Zeit sind Kunstwerke an sich, wie z.B. die ‚Schlafende Dame’, die beim Hypogeum gefunden wurde und sicherlich das wertvollste Stück von allen ist.

Samstag – 28.2.2009 Der nächste Tag, Samstag heißt für unsere Kleingruppe Valletta auf eigene Faust kennenlernen. Wir fahren mit einem Linienbus, für 54 Cent die ca. 20 Kilometer zum großen Busbahnhof in Floriana beim Tritonenbrunnen. Hier findet ein Busliebhaber alle möglichen Modelle von Oldtimern. Von hier wollen wir unsere Stadtbesichtigung beginnen Wir betreten die Stadt durch das City Gate nach Valletta. Hier am City Gate nimmt die Republic Street, die Hauptstraße Vallettas ihren Ausgang. Gleich hinter dem Stadttor erstreckt sich der Freedom Square. Wir laufen über die Republic Street wo heute viel Betrieb ist. Etwas weiter auf der rechten Seite steht die Kirche St. Barbara die 1739 errichtet wurde. Wir laufen weiter und biegen rechts ab in die St. Johns's Street und gehen zur St. John's Co-Cathedral der Johanneskathedrale. Wir haben Glück und können sofort in die Kirche.

Die St. John's Co-Cathedral, von außen recht unscheinbar, wird gemeinhin als einer der innen am schönsten ausgestalteten Kirchenbauten des Mittelmeerraumes angesehen. Der Kalksteinbau wurde unter der Federführung des Architekten Gerolamo Cassar in den Jahren 1573 bis 1577 errichtet. Es sollte allerdings noch mehr als einhundert Jahre dauern, bis auch die Innenausstattung und die Schmuckelemente vollendet waren. 1816 wurde sie vom damaligen Papst Pius VII. neben der Kathedrale von Mdina zum Zweitsitz (Co-Kathedrale) des Bischofs ernannt, um ihre Bedeutung für Land und Stadt auch nach dem Wegzug der Johanniter zu unterstreichen. Die Kirche, als Hauptkirche des Ordens erbaut, verfügt über insgesamt zwölf Apsiden, von denen sieben der einzelnen Zungen (Auberges) des Malteserordens gestaltet worden sind. In den Boden des Gotteshauses sind auf einer Länge von 58 Metern 375 Grabplatten aus Einlegearbeiten in verschiedenfarbigem Marmor eingelassen, unter denen Ordensritter bestattet wurden. Auch fast alle Großmeister (bis auf zwei) fanden hier ihre letzte Ruhe. Ihre Sarkophage zählen zu den „vollkommensten Kunstwerken des Hochbarock“. Die Mehrzahl befindet sich jedoch in der Krypta. In einer angeschlossenen Galerie ist neben anderen Gemälden „Die Enthauptung Johannes des Täufers“ von Michelangelo da Caravaggio zu besichtigen. Auch in der Kathedrale hängen wie im Grand Master's Palace unzählige Wandteppiche. Direkt neben der St. John's Co-Cathedral befindet sich der Grand Master's Palace. Mit dem Bau des Großmeisterpalastes wurde 1571 begonnen und dabei ein an der Stelle bereits stehendes Gebäude in den Bau integriert. Bereits 1574 konnte der Renaissancebau bezogen werden. Bis 1798 residierten hier die Großmeister des Johanniterordens. Auch die britischen Gouverneure verwalteten von hier aus Malta. Heute ist der Palast Amtssitz des Staatspräsidenten und beherbergt das maltesische Parlament. Durch einige verwinkelte Gassen kommen wir an die Kirche Our Lady of Mount Carmel. Die Karmeliterkirche bildet, wegen ihrer riesigen Kuppel, einen markanten Punkt in der Silhouette von Valletta. Geht man die Straße weiter kommt man an die St. Paul's Anglican Cathedral, die auf betreiben der britischen Königinwitwe errichtet wurde, die bei einem Besuch ein Gotteshaus ihrer Konfession vermisste. Mit ihrem spitzen Glockenturm bildet sie eines der Wahrzeichen Vallettas. Wir gehen weiter bis zur St. Elmo Bay und gehen dort an der St. Sebastian Bastion eine Kleinigkeit essen und trinken. Danach geht's weiter zum Fort St. Elmo, eine Befestigungsanlage an der Spitze der Halbinsel von Valletta, zur Sicherung der Einfahrt in den Grand Harbour, die 1552 erbaut wurde. Heute ist das Fort St. Elmo Sitz der "Malta Police Academy" und kann nicht besichtigt werden. Hier befindet sich auch das National War Museum.

Wir gehen entlang der Straße und sehen unter uns die Löwenbräufähre nach Sliema. Nach vielen Treppenstufen erreichen wir die St. Andrews Bastion, die wieder einen schönen Rundumblick über die alten Hafenstädte bietet. Hier ganz in der Nähe befindet sich die Auberge de Castille, Léon de Portugal die ehemalige Herberge der Ritter von Kastilien. Früher war hier das britische Militär Hauptquartier untergebracht, heute ist die Auberge Amtssitz des maltesischen Premierministers. In unmittelbarer Nähe befindet sich auf der St. Peter and Paul Bastion gelegenen Upper Barracca Gardens. Im Zentrum der Anlage steht ein neoklassizistischer Säulenbau zum Gedenken an Sir Alexander Ball, Kommandant der britischen Streitkräfte die die Blockade gegen die Franzosen 1708-1800 durchführten. Man genießt von hier einen grandiosen Blick auf den Grand Harbor und die Three Cities. Die Upper Barraccs Gardens wurden Ende des 16. Jh. als Übungsplatz für die italienische Landsmannschaft angelegt. Der Arkadenbau aus dem Jahre 1661 war ursprünglich überdacht. Das Dach wurde jedoch im Jahre 1775 auf Anordnung des Großmeisters entfernt. Wir halten uns hier eine Weile auf und gehen dann wieder zurück zum City Gate und fuhren mit dem Bus, ab dem Tritonenbrunnen zurück ins Hotel.

Sonntag – 1.3.2009 Marathon Tag. Unsere Startunterlagen hatten wir schon am Freitagabend erhalten. Heute hieß es sehr früh aufstehen und schon um 5:30 frühstücken. Anschließend ging es mit dem Bus zum Startplatz, direkt vor das Stadttor in Mdina. Gestartet wird der Full- und Half-Marathon ja von Mdina, im Inneren der Insel aus. Ziel ist in Sliema. Vor dem Haupttor zur Stadt in Howard Gardens ist das Startgelände. Da wir noch 1 ½ Stunden Zeit haben machen wir noch einen Rundgang durch die alten Mauern. Heute morgen ist es noch sehr kühl und so begeben wir uns auf die Polizeistation, wo wir freundlich empfangen werden, um uns aufzuwärmen. So eine Halbe Stunde vor Startbeginn begeben wir uns zum Startplatz wo es noch recht kühl ist. Unsere wärmenden Sachen ziehen wir aber erst 10 Minuten vor 8:00 Uhr aus. Die (Müll)Beutel legen wir dann auf einen alten Pritschenwagen der die Sachen zum Ziel bringt. Fast 100 Läuferinnen und Läufer der 196 Finisher (162 Männer, 34 Frauen) kommen aus Deutschland und aus Malta. Insgesamt starten folgende weitere 22 Nationen: Argentinien, Australien, Österreich, Belgien, Brasilien, Kanada, Tschechien, Dänemark, Spanien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Irland, Italien, Japan, Niederlande, Polen, Russland, Schweden, USA, Wales. Den Halbmarathon finishen 762 Personen (561 Männer, 201 Frauen). Jetzt wollen wir aber erst einmal laufen. Man sollte den Malta Marathon nicht unterschätzen. Zwar hat die Gesamtstrecke von Mdina bis Sliema deutliches Gefälle, aber zwischendrin sind etliche Steigungen, die besonders am Schluss kurz vor Valetta manchen Läufer zum Geher werden lassen. Da für dieses Jahr die Strecke für den Marathon geändert wurde geht es nicht in Richtung Dingli Cliffs sondern rund ums Nationalstadion und um Mosta. Wir wurden schon vorgewarnt das die neue Strecke schwerer ist wie die alte Streckenführung. Wie schwer wirklich werden wir noch merken. Malta ist halt eine Insel aus Felsen und vielen Bergen. Pünktlich um 8.00 Uhr geht es mit Musik auf die Strecke. Wir laufen durch Mdina und Rabat wo uns schon am 1. km ein Bus aufhält und die Teilnehmer in einer Reihe auffädeln lässt. Dann geht es durch eine Senke und wir verlassen Rabat. Die Strecke führt jetzt angenehmerweise abwärts. Der Streckenabschnitt hinter km 3 gehört mit zu den schönsten überhaupt. Dreht man sich um, hat man einen phantastischen Blick auf den mit der Festung und der Cathedrale „gekrönten“ Hügel.

Nach knapp 5 Kilometern erreichen wir die erste Getränkestelle. Man muss wissen, beim Malta Marathon verdurstet man auch bei großer Hitze nicht, es gibt ausreichend Wasser (leider nur in Flaschen) zu trinken und Schwämme, zweimal auch Powerade aber zum Ende hin. Einmal gibt es Orangen, mehr nicht. Wer also gewohnt ist, etwas zu essen, sollte sich etwas mitnehmen. Der weitere Weg führt uns durch einen Pinienwäldchen, Ta`Qali dem Nationalpark. Hier bei Kilometer 7 kommen wir an etlichen Glasbläsereien und Keramikwerkstätten vorbei. „Handmade Malta Glass“ ist ein Qualitätsbegriff und beliebtes Reisemitbringsel. Am Straßenrand und auf den Wiesen blühen viele Sträucher und Blumen, auf den Feldern wächst Gemüse, das mehrmals im Jahr geerntet werden kann. Auf Malta gibt es schon Erdbeeren und Frühkartoffeln die in andere EU-Ländern exportiert werden. Jede Kakteenstaude oder verwachsenen Pinie ergeben ein schönes Fotomotiv. Ich bleibe immer wieder stehen und fotografiere die Landschaft und Läufer. Nach einer links-rechts Kurve laufen wir direkt auf das Ta`Qali Nationalstadion zu. Die Strecke führt jetzt durch das Sportzentrum mit mehreren kleinen Stadien. Nach einer großen Schleife kommen wir am Pitkali Vegetable Market zum 1. mal vorbei. Hier beginnt gerade der Aufbau. Neben Lebensmitteln wird hier auch Trödel angeboten. Vorsicht, denn Autos kreuzen unsere Laufstrecke die auf den großen Platz wollen. Die Laufstrecke führt durchweg über Verkehrsstraßen, die zunächst noch wenig befahren sind. Später nimmt der Verkehr deutlich zu. Auf größeren Verkehrsstraßen wird teilweise eine Fahrspur für die Läufer frei gehalten, Kreuzungen sind durch Polizei und Hilfskräfte gesichert, zusätzlich ist permanent Polizei auf Motorrädern unterwegs. An Abzweigungen stehen Schüler mit kleinen roten Fähnchen die uns den Weg weisen. Die ersten Steigungen hinter Rabat nehmen wir fast nicht zur Kenntnis. Wir kommen jetzt wieder auf die HMStrecke und biegen nach einer Weile wieder ab. Der Weg führt uns weiterhin auf und ab durch Siedlungen bei Mosta. Zwischendurch geht es auch wieder raus aus den Häusern. Wir laufen an mit Steinmauern oder Kakteen geschützten kleinen Feldern und Wiesen vorbei. Zwischen Km 18 und 20 geht es eine lange Gerade stark bergauf. Viele Läufer überhole ich die fast gehen. Dann in einem spitzen Winkel nach links Richtung Halbzeit. Und noch einmal kommen wir am Pitkali Vegetable Market vorbei, wo jetzt schon richtig was los ist. Es geht noch weiter zick-zack, bergauf bergab. Nach dem 2. mal Stadion laufen wir im Nationalpark durch eine Art Irrgarten und landen schließlich wieder auf der Pinienallee, die wir zuvor schon einmal gelaufen sind.

Bei km 7 der Halbmarathonis kommen wir auf die gemeinsame Strecke. Jetzt haben wir unsere zusätzlichen 21 km gelaufen und die Strecke füllt sich gut, denn inzwischen um 10 Uhr sind auch die knapp 800 Halben auf der Piste. Die Halbmarathonläufer kommen dazu und sorgen für Belebung auf der Strecke. Wir erreichen wieder die Pinienallee (km 27) und laufen auf der Straße nach Mdina. Hier herrscht jetzt richtig dichter Verkehr. Vor der Kreuzung haben sich in alle Richtungen lange Schlangen gebildet und die Polizei hat alle Hände voll zu tun. Es ist zwar ein gerne bedientes Vorurteil, dass die südländischen Autofahrer mehr Temperament als Disziplin mitbringen, trotzdem habe ich keine wirklich brenzlige Situation erlebt. Aufpassen muss man allerdings schon, zumal die Autos aus für uns ungewohnten Richtungen kommen (Linksverkehr!). Wir laufen gemeinsam über die Triq L-Imdina Richtung Mdina die jetzt stark befahren ist. Ganz angenehm ist das nicht immer, die teilweise alten Kisten stinken doch erbärmlich. Weiter geht es über die Mriehel Bypass Richtung Qormi. Wir laufen auf eine langgezogene Brücke mit Hochstraße, dann wieder bergab. Der Verkehr wird nicht besser, als wir links Richtung Valetta abbiegen. Viele Menschen sind an diesem herrlichen Tag auf dem Weg in die Hauptstadt, ans Meer oder in die vielen umliegenden Freizeit- und Sportanlagen (Golf, Trabrennbahn, Tennis usw.). Zudem wird dem Auge außer Brachland auf diesem Abschnitt nichts geboten. Engländer und Italiener nehmen das gelassen und sind gut gelaunt unterwegs, während mancher Landsmann die Nase rümpft. Wer was zum Meckern sucht, hier wird er fündig. Dabei ist es ganz klar, die Organisatoren werden wegen 200 Marathon- und 800 Halbmarathonläufern nicht die Straße sperren, auf der am Sonntagmorgen viele tausend Menschen unterwegs sein wollen. Man muss sich arrangieren und das funktioniert auch ganz gut. Die Autofahrer, denen man in den südlichen Ländern mehr Temperament als Disziplin nachsagt, nehmen die Behinderungen klaglos hin. Das Hupen gilt entweder einem eingepennten Fahrer oder einer attraktiven Läuferin. Links liegt Qormi und die Sportanlagen von Marsa. Kurz vor Floriana bei km 35 und 36 sind noch einmal zwei Steigungen, die bei der ungewohnten Wärme vielen eine Gehpause aufzwingen. Dann wird Floriana, die Vorstadt von Valetta erreicht und wir laufen zwischen den großen Festungsmauern Richtung Tax Biex und Marsamxett Harbour. Der Blick geht auf den Hafen und die Festungsmauern. Dann läuft man direkt auf die dem Heiligen Josef geweihte herrliche Kirche zu. Rechts geht es auf die Uferpromenade Richtung Sliema. In den prachtvollen Villen und Palästen haben sich die Botschaften verschiedener Länder niedergelassen. Noch sind zwei Kilometer zu laufen. Eine Musikkapelle spielt auf und macht den müden Läuferinnen und Läufern nochmal Beine. Dann kommen wir auf die Palmen gesäumte Uferpromenade von Sliema, der Blick geht nach rechts Richtung Valetta mit der Cathedrale und der Festung. Wir haben nur noch einen Kilometer zu laufen. Jetzt gibt es sogar ein paar Zuschauer und die ersten Finisher kommen einem schon entgegen, mit der Medaille um den Hals. Dann taucht das Zieltor auf, Gekreische und Applaus begleiten uns auf den letzten Metern.

Marathonis werden links eingewiesen, die „Halben“ laufen rechts durch den Zielbogen. Noch ein letzter Stop vor dem Ziel und ein Foto dann ist es geschafft. Auch meinen 50. Marathon habe ich gefinisht. Ein Ordner sieht meinen Fotoapparat in der Hand und fragt ob er mich knipsen soll. Jetzt habe ich auch ein Finisherfoto von mir auf meiner Kamera. Eine nette junge Frau hängt mir die schwere Medaille um und gleich dahinter erwartet uns Bernhardt Kreienbaum und Kurt Fehr um uns weitere Infos zu geben. Zur Regulierung des Flüssigkeits- und Mineralhaushalts gibt es hier noch Wasser und Powerade und gegen den ersten Hunger Bananen. Wer´s braucht kriegt auch eine professionelle Massage. Den Kleiderbeutel und Umkleidemöglichkeiten gibt es in einem Gebäude gleich gegenüber dem Zielgelände. Jetzt heißt es noch einmal anstehen, umziehen und zurück ein Stück der Strecke entlang. Aber das geht viel schwerer als in Apeldoorn vor 4 Wochen. Die Strecke war schon ziemlich hart für die Muskeln. Im Bus auf der Rückfahrt habe ich erfahren das ein Marathoni einen Garmin 305 während der Laufes an hatte, der ihm 600 Höhenmeter anzeigte obwohl das Ziel ca. 100 Meter Höhendifferenz tiefer liegt wie der Start in Mdina. Ich warte jetzt auch meine liebe Angi, wie sie wohl die Strecke geschafft hat. In den letzten 4 Wochen konnte sie gerade einmal 3 kurze Trainingseinheiten machen. Nach knapp 2:37 Stunden kommt sie freudestrahlend und wie immer in Männerbegleitung Richtung Ziel.

Am Abend sind wir dann noch zur Siegerehrung gefahren, nach Mdina ins Autohaus. Hier gab es für die ersten zwei Plätze jeder Alterklasse eine Auszeichnung. Die Alterklassen beginnen hier mit U23, 23-34 und dann in 5er Schritten, wie bei uns in Deutschland. Die Einteilung in die jeweilige Alterklasse erfolgt nach den tatsächlichen Alter am Tage des Starts. Gewonnen hatte den Marathon der Belgier Rik Ceulemans in 2:25:59, vor Martin Jason in 2:33:30. Rik Ceulemans war in den letzten Jahren 4x belgischer Marathonmeister und 4x belgischer Halbmarathonmeister. Seine Bestzeit liegt bei 2:13:42. Die schnellste Frau war Hili Carmen aus Malta in 3:00:13 vor Heike Angel aus Deutschland in 3:19:09. Den Halbmarathon gewann Jonathan Balzan aus Malta in 1:08:30, die schnellste Frau war Johanna Fletcher aus GBR in 1:23:42. Die nächsten Tage hatten Angi und ich sowie auch viele Läufer unserer Reisegruppe dicke Beine und so eierten wir alle gemeinsam.

Montag – 2.3.2009 - Tagesausflug nach Gozo. Am Montag stand nun der Tagesausflug nach Gozo auf dem Programm. Wir fuhren durch die hügelige Landschaft nach Cirkewwa zum Fähranleger der Gozo Channel Line. Wir müssen hier den Bus verlassen und haben heute Glück weil wir gleich die nächste Fähre nehmen können. Die Fähre legt die 6km nach Gozo vorbei an der Insel Comino in etwa 30 Minuten zurück. Gozo ist gerade mal 14km lang und 7km breit, damit sehr überschaubar und deutlich grüner und fruchtbarer als Malta. Gozo hat nur ein Viertel der Fläche Maltas und nur knapp 30.000 Einwohner. Die Fähre legt auf Gozo, in dem kleinen Fischerdorf Mgarr an, das von der hoch aufragenden Kirche Our Lady of Lourdes beherrscht wird. Wir besteigen hier einen bereitstehenden Bus und fahren quer über die Insel zur Calypso Cave, von der man behauptet, dort habe Odysseus sieben Jahre bei der Nymphe Kalypso gelebt. Wir begeben uns allerdings nicht in die Höhle sondern genießen den herrlichen Ausblick auf die Ramla Bay. Ein roter Sandstrand der von den umliegenden Felsen eingezäunt wird. Hier oben herrscht eine wunderschöne Vegetation. Nach kurzer Rast geht es weiter in Richtung Marsalforn. Ganz in der Nähe auf dem Weg nach Wied il-Ghasri sind entlang der Küste Salzpfannen zu sehen. Sie stammen aus dem Jahr 1740 und werden noch immer zur Salzgewinnung genutzt. Meerwasser wird in die flachen Becken geleitet, wo es wegen der starken Sonneneinstrahlung verdunstet und eine Salzschicht zurück bleibt, die abgeerntet wird. Die ganze Küstenregion um diese Salzpfannen ist sehenswert. Unser nächstes Ziel soll der Fungus Rock und das Azure Window, ganz im Westen von Gozo, sein. Auf dem Weg dorthin fahren wir noch am der Aquädukt von Kerëem vorbei. Hier sind leider nur noch wenige Meter dieser einst stolzen Wasserleitung zu sehen. Kurz vor der Dwejra Bay kommen wir am Dwejra Lake vorbei, ein kleiner See, der sich dort gebildet hat, wo das Meer durch einen Tunnel einen Weg ins Festland fand. Dieses durch einen Tunnel mit dem Meer verbundene Inlandmeer ist ein kleiner vom Meer gespeister Salzwassersee. Kurz darauf erreichen wir eine weitere Laune der Natur, das Azure Window und den Fungus Rock. Der Fungus Rock liegt in der Dwejra Bay und ist ein 20m hoher Vorgelagerter Felsen. Auf dem Felsen gedeiht eine als "Malteserschwamm" bezeichnete Pflanze, die in Europa nur auf dem Fungus Rock vorkommt. Das dunkelbraune 20cm hohe Gewächs, setzten die Johanniter wegen seiner angeblich blutstillenden Wirkung, zur Behandlung von Verletzungen und Wunden ein. Unweit des Fungus Rock, findet man das Azure Window. Hierbei handelt es sich um einen aus dem Wasser heraus ragenden Felsbogen. Das "Azure Window" oder auch "Blaue Fenster" ist eine durch Erosion geschaffene Felsbrücke an der Küste Gozos und eines der beliebtesten Postkartenmotive. Die etwa 100m hohe Felsbrücke ist aber weiterhin den Gesetzen der Natur unterworfen und verdünnt sich zunehmend. Vielleicht ist es auch nur ein Argument der Tourismusindustrie, aber unter Umständen ist diese Sehenswürdigkeit in einigen Jahren nicht mehr vorhanden. Doch zuvor fahren wir auch hier noch mal mit kleinen Fischerbooten durch die Felsenhöhlen rund um das „Blaue Fenster“ und bekommen wieder viele Fotomotive vor die Kamera. Oben auf einem Felsen ist ein Krokodil aus dem porösen Sandstein zu entdecken. Das Azure Window umfahren wir auf der Wasserseite. Nach einer etwa 20-minütigen Fahrt gehen wir auf das Plateau zwischen Fungus Rock und Azure Window. Von hier aus kann man schöne Fotos knipsen. Aber auch der Boden auf dem wir laufen sieht aus wie eine Mondlandschaft.

An der kleinen Imbissbude am Parkplatz, essen wir noch ein Eis und weiter geht es. Die Küste von Gozo ist von vielen kleinen Fjorden gekennzeichnet. In solch einer kleinen Bucht liegt der Badeort Xlendi, unser nächstes Ziel mit seinem winzigen Strand. Alles ist eng aneinander gebaut. Von den Felsen rechts hat man einen schönen Ausblick auf das Dorf, die gerade mal 100 Meter lange Uferpromenade, die Bucht und das Meer. Hier machen wir eine längere Pause und ich erkunde die umliegenden Felsen mit Blick zur Promenade, über eine lange aufsteigende zick-zack Treppe. Auf der Rückfahrt von Xlendi passieren wir bei Fontana ein in natürlichen Höhlen eingerichtetes Waschhaus, das der deutsche Ordensritter Wolfgang Philipp Guttenberg 1700 den Insulanern schenkte. Gleich daneben ist eine Klöppelei, wo noch nach alter Tradition das künstlerische Handwerk betrieben wird und man den Frauen bei der Arbeit zusehen kann. Uns interessiert aber mehr die Käserei am gegenüberliegenden Hügel. Hier müssen wir unbedingt rein und Ziegenkäse probieren und natürlich auch für Zuhause kaufen. Dann fahren wir direkt nach Victoria. Alle Wege auf Gozo führen in die im Zentrum gelegene Inselhauptstadt. Sie erhielt ihren Namen 1897 von der britischen Königin Victoria, die damit zu ihrem diamantenen Thronjubiläum geehrt werden sollte. Die Gozitaner bezeichnen ihre Hauptstadt aber noch immer mit dem alten arabischen Namen Rabat. Die Stadt besteht aus der weithin sichtbaren, auf einer kleinen Erhebung angelegten Zitadelle, um die seit dem 17. Jh. die Vorstadt wächst. Wir gehen durch die kleinen engen Gassen von Victoria zum Independence Square. Von hier aus führt der Weg nach oben zur Zitadelle. Die Zitadelle ist das Herz der Stadt, welche bereits im Bronze-Zeitalter, also etwa 1500 vor Christus befestigt wurde. Das Mauerwerk der Citadel stammt vorwiegend aus dem 16. Jh. bis 18. Jh.. Zwischen 1599 und 1603 wurde sie restauriert, um die Stadt noch besser vor Korsaren und Muslimen zu schützen. Da innerhalb der Befestigungsmauern seit dem 17. Jh. nur wenige Häuser errichtet wurden, präsentieren sich große Teile des Areals als Ruinen. Von den Befestigungen aus hat man einen wunderbaren Blick über die Insel.

Nach durchschreiten des Zitadellenhaupttores, das im letzten Jahrhundert vergrößert wurde, gelangt man an den Cathedral Square, der von der Cathedrale beherrscht wird. Errichtet wurde die Kathedrale der Mariä Himmelfahrt zwischen 1697 und 1711. Aus Kostengründen wurde bei dem Bau auf eine große Kuppel verzichtet und stattdessen erst später am Nordost-Ende ein Glockenturm angebaut. Der kostbar gestaltete Hauptaltar stammt aus dem Jahre 1855, das Taufbecken stammt aus 1742. Wir gehen durch die Fosse Street und kommen an die Kastellmauern. Wir laufen auf der Mauer, von der man einen grandiosen Blick über Gozo hat einmal, rund um die Zitadelle. Danach gehen wir wieder hinunter zum Independent Square. Ganz in der Nähe am St. George's Square liegt die gleichnamige Kirche die wir besichtigen. Treffen ist wieder auf dem Independence Square, der auch den Mittelpunkt der Stadt bildet. Er liegt unterhalb der Zitadelle und es wird täglich ein Markt hier abgehalten. Auffällig ist auch die Banca Giuratale ein 1733 errichteter barocker Halbrundbau an der Westseite des Platzes. Der Bus bringt uns zurück in den kleinen Fischerort Mgarr Mit der Fähre sind wir wieder nach 30 Minuten auf Malta zurück.

Dienstag – 3.3.2009 - Heute am Dienstag unserem letzten gemeinsamen Tag auf Malta wollen wir zu den „3 Städten“ von Malta fahren mit einer abschließenden Weinprobe in einem Kellergewölbe nahe dem Upper Barracca Gardens. Vor der Abfahrt wird noch das obligatorische Gruppenfoto geschossen. Mit einem kleinen Bus geht es nach Valletta. Die gesamte Stadt gehört seit 1980 zum UNESCO Welterbe. Die Malteser nennen Valletta auch il-Belt, was “die Stadt” heißt. Der imposante Ort befindet sich auf einer Landzunge mit dem Namen Monte Sciberras. Diese ist umschlossen von den beiden größten Naturhäfen im Mittelmeer. Auf der einen Seite befindet sich der Grand Harbour mit Blick hinüber zu den “3 Städten”, auf der anderen Seite liegt der Marsamxett Harbour in Richtung Sliema. Im Süden grenzt Valletta an den Ort Floriana. Die Stadt ist ringsum von gewaltigen Festungsmauern bzw. Bastionen umgeben. Als im Jahre 1565 die Osmanen Malta belagerten, und die auf Malta herrschenden Ritter die Türken trotz deren militärischer Überlegenheit in die Flucht schlagen konnten, überlegte man sich, wie man Malta gegen einen möglichen neuen Angriff besser schützen könnte. Die Ritter des Malteserordens entschlossen sich, auf dem Monte Sciberras mit seiner strategisch günstigen Lage zu beiden Häfen eine moderne Festungsstadt zu errichten. Hierfür nahm man sich die Erkenntnisse der neuesten Militärarchitektur und damalige Theorien einer Idealstadt zur Hilfe. Papst Pius IV sandte seinen besten Baumeister Francesco Laparelli und europäische Königshäuser gewährten finanzielle Unterstützung. Wenn man heute durch die Straßen Vallettas läuft, erkennt man schnell, dass die Stadt sozusagen vom Reißbrett geplant wurde. Der Grundstein wurde am 28. März 1566 durch den Großmeister des Ritterordens, Jean Parisot de la Vallette gelegt, dessen Namen die Stadt auch trägt.

Bereits am 18.03.1571 wurde der Sitz des Malteserordens offiziell von Birgu nach Valletta verlegt. Da der Malteserorden aus Angehörigen von acht verschiedenen Adelshäusern bestand, wurden in der Stadt auch acht Auberges (Herbergen) errichtet. Jede der sogenannten acht Zungen war für die Verteidigung einer der Bastionen zuständig. Seit der Errichtung der Stadt wurde Malta nie wieder eingenommen oder angegriffen. Erst Napoleon übernahm 1798 Malta, wobei die Malteserritter unter dem Großmeister Ferdinand von Hompesch kampflos kapitulierten. Als im zweiten Weltkrieg deutsche und italienische Luftangriffe stattfanden, wurden zwar Häuser zerstört, nicht jedoch die Festungsmauern. Diese hielten dem Bombenhagel stand. Heute ist Valletta eine Geschäfts- und Einkaufsstadt. Es gibt viele historische Plätze, einladende Cafes oder öffentliche Gärten, von denen aus man herrliche Ausblicke über die Häfen hat. Nachdem wir in der 3. Stadt Valletta, in Upper Barracca Gardens waren ging es in den besagten Weinkeller. Hier gab es neben 6 verschiedenen Malteser und Gozo Weinen einen typischen maltesischen Imbiss mit Kapern, Schafskäse, Oliven, getrockneten Tomaten, weißen Bohnen, brauner Bohnenpaste und mit tomatencreme belegten Broten. Der maltesische Wein ist aufgrund der Sommerhitze und dem nicht vorhandenen Grundwassers etwas sehr besonderes. Sie sind im allgemeinen trocken oder herb. Der Weinanbau ist sehr verbreitet auf Malta, daher gibt es zahlreiche Winzer. Die größten drei sind Marsovin, Delicata und Camilleri. Wobei diese verschiedene Varianten bzw. Marken anbieten. Doch es gibt noch viele kleinere Winzer die hinter ihrem Haus einen eigenen kleinen Weinanbau betreiben. Auch wenn nur 10 km Seeweg zwischen Gozo und Malta liegen, es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die Weine aus Gozo sind sehr fruchtig und süß. Gozo hat Grundwasser, im Gegensatz zu Malta, somit werden die Weine mit
mehr Wasser versorgt. Ob Weiß, Rot oder Rose, ob von Malta oder Gozo, die Weine sind großartig und so ließen wir uns diese auch schmecken. Anschließend ging es in die Nachmittagssonne was das übrige tat. Den Abend ließen wir dann noch im engl. Pub ausklingen mit Beer und Fußball. Wenn alles klappt sehen wir uns in Budapest Anfang Oktober wieder. Bis dahin wünschen wir uns alle viele gute und gesunde Laufkilometer.

Mittwoch 4.3.2009 – Nach dem Frühstück werden so nach und nach die Läuferinnen und Läufer unserer Gruppe verabschiedet. Angi und ich gehen noch 2 Stunden an der Promenade spazieren, bis uns das Taxi abholt zum Flughafen. Mit Air-Berlin geht es problemlos bis nach Paderborn und anschließend mit dem Auto nach Hause. Gegen 23:00 Uhr beenden wir unsere wunderschöne Lauf- und Kulturreise nach Malta.

01.03.09 – von Bernd Neumann

Quelle: Bernd Neumann
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