Reisebericht zum 17. Dead Sea Jordanien Marathon 2010

Arabische Gastfreundschaft im Haschemitischen Königreich von Bernd Neumann

Nachdem wir im letzten Jahr eine wunderschöne Kultur- und Laufreise nach Malta unternommen hatten entschlossen wir uns dieses Jahr für die Jordanienreise mit dem Dead Sea Marathon. Freunde die diese Reise schon unternommen hatten bestätigten uns in der Entscheidung. Jordanien ist ein haschemitisches Königreich und wird regiert vom Staatsoberhaupt König Abdullah II. bin al-Hussein, seit 07.02.1999. Das Land liegt in Vorderasien zwischen Israel und Saudi-Arabien. Die Haschemiten sind ein arabischer Stamm die nach Hāschim ibn Abd Manāf dem Urgroßvater des Propheten Mohammed benannt sind. Die östlichen und südlichen Landesteile sind Wüste, was ca. 80% des Landes sind. Das Bergland am Rande des Jordangrabens ist mediterran und das Jordantal und die Rotmeerküste sind subtropisch. Unsere Reise führt uns an verschiedene Orte im Lande. Der Marathon- und Ultralauf führt uns zum niedrigsten Punkt der Erde 400m unter NN - Run to the lowest point on earth! Im folgenden Reisebericht erfahrt ihr wo uns die Reise überall hingeführt hat.

Mittwoch, 7. April - Abfahrt zum Rhein-Main Flughafen nach Frankfurt und mit der Royal Jordanian in 5 ½ Flugstunden zur Hauptstadt Amman. In der Vorgangshalle des Airports erwartete uns Nils Krekenbaum, der schon mit einem Teil der Gruppe über München gekommen war. Per Bus ging es zum Golden Tulip Hotel wo ein Buffet auf uns wartete. Nils teilte noch am Abend an die Läufer die Startertüten mit den Startnummern und T-Shirts aus.

Donnerstag, 8. April - Für den Morgen um 7:00 Uhr hatte Nils zu einem lockeren Trainingslauf von ca. 30 Minuten rund um das Hotel mitten durch die Stadt aufgerufen, den auch einige nutzten. Nach dem Frühstück ging es eine Stunde per Bus nach Norden zur Stadt Jerash (alte römische Stadt) mit unserem einheimischen Reiseführer Osama der der deutschen Sprache mächtig ist und uns die ganze Woche begleitet hat. Jerash oder auch Gerasa wird wegen der vielen gut erhaltenen Ruinen des römischen Reiches auch das Pompeji des Ostens genannt. Mehr als 200 Jahre hatte die Stadt Wohlstand und es wurden Paläste und prunkvolle Gebäude errichtet. Schon vor betreten der alten Stadt durchquert man den Hadriansbogen der zum Gedenken an den Besuch Kaisers Hadrian 129 n. Chr. erbaut wurde. Der Sandstein ist schon sehr verwittert wird aber nach und nach restauriert. Nebenan liegt das große Hippodrom in dem früher Pferde- und Wagenrennen veranstaltet wurden. Die alte Stadt Gerasa betritt man durch das Südtor. Kurz dahinter liegt das Forum, das eine Größe von 90 x 80 Metern hat und von ionischen Säulen umgeben ist. Über das Cardo die angelegte Hauptachse die nach Nord-Süd Richtung ausgerichtet ist gingen wir Richtung Propyläum. Am Cardo lagen früher bis zum Nordtor die Märkte, Brunnen, Tempel und öffentlichen Gebäude. Hinter dem noch zum Teil erhaltenen öffentlichen Brunnen gingen wir durch einen prächtigen Torbau (Propyläum) über eine breite Treppe zum ehemaligen Artemidentempel von dem nur noch wenige Säulen stehen. Von hier oben hatten wir einen herrlichen Blick über die alte Stadt. Am Drei-Kirchen-Komplex laufen wir vorbei direkt auf den ehemaligen Zeustempel zu. Direkt daneben liegt das 3.000 Zuschauer fassende Südtheater. Das im 2. Jahrhundert n. Chr. erbaute Theater hat heute nach seiner teilweisen Restaurierung eine hervorragende Akustik. Wir konnten uns davon überzeugen durch Lifemusik einer arabisches Dudelsackgruppe. Für Jerash benötigt man mehr als einen ganzen Tag um alles zu sehen. Osama hätte uns sicherlich auch noch Stundenlang weitere Informationen geben können aber für uns ging es jetzt gegen Mittag zurück nach Amman. Im Restaurant „Windsmill“ in Amman machten wir unsere Mittagspause. Da es am Abend ein Buffet gibt entschieden wir uns für eine Vorspeisenvariante. Essen in Jordanien heißt ein Gast ist willkommen und es wird so viel aufgetischt das es locker für die doppelte Personenzahl reicht. Da hier kein Alkohol ausgeschenkt wurde empfahl uns Osama Limonada, ein Getränk aus Zitrone und fein gehackter Pfefferminze. Toller Geschmack und köstlich erfrischend. Die jordanische Küche steht unter mediterranen Einfluss aus den Küchen vom Libanon, Syrien, Palästina und Ägypten. Auf unserem Tisch wurden auf dem großen metallenen Tablett viele kalte und warme Vorspeisen aufgebaut die sich mezzeh nennen. Es gab u.a. hummus (Kichererbsenpaste), foul (rot und schwarz gesprengelte Foulbohnen), mutabal (pürierte Auberginen), tabouleh (fein gehackte Petersilie, Tomaten und Zwiebeln) und das wurde mit frischem dampfenden Fladenbrot serviert. Anschließend ging es direkt zur Stadt überragenden Zitadelle. Hierzu fuhren wir mit dem Bus durch das hügelige Amman mit seinem harmonischen Stadtbild. In Jordanien gibt es eine Bauauflage das alle Häuser mit dem hellen Stein verkleidet sein müssen. Auf dem Zitadellenhügel hat man einen herrlichen Blick auf das alte Amman. Über der Neuen Stadt weht die Nationalflagge die die Größe eines Fußballfeldes hat. Schon seit über 9.000 Jahren ist Amman besiedelt, was archäologische Funde belegen. Auf dem von uns besuchten Zitadellenhügel befinden sich Gräber aus der frühen Bronzezeit (17. – 16. Jh v. Chr.). Wir gehen vom Eingang zum nahen Hügel auf dem noch Säulen des Herkulestempels stehen der dem römischen Kaiser Marc Aurel (161-180) gewidmet wurde. Gegenüber befindet sich das archäologische Museum mit Funden ab dem Paläolithikum (Altsteinzeit). In einer Nische befinden sich 4 Sarkophage aus der Zeit zwischen dem 13. und 7. Jhr.. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die wachsähnlichen Figuren (8.000-6.000 v. Chr.) sowie die Schriftrollen die zu den Qumram-Rollen zählen sollen. Diese Rollen umfassen ca. 15.000 Fragmente von etwa 850 Rollen aus dem antiken Judentum. Sie wurden zwischen 250 v. Chr. und 40 n. Chr. von 500 verschiedenen Schreibern beschriftet. Hierbei sind auch etwa 200 Texte des späteren Tanach, die als die ältesten bekannten Handschriften der Bibel zählen. Anschließend fuhren wir noch durch die Altstadt vorbei an der König-Abdullah-Moschee durch die engen Straßen in die Neustadt. Hier gibt es viele Prachtbauten die lange Straßen zieren. Nachdem wir uns im Hotel frisch gemacht hatten ging es zur Pasta-Party. Unser Bus brachte uns zum 5 Sterne Hotel Landmark in dem wir königlich empfangen wurden, denn es ging in den Königssaal. Der Saal war prächtig hergerichtet und nach kurzem warten kam der Schirmherr der Veranstaltung „17th LG Dead Sea Ultra Marathon“ Prince Raad Bin Zaid der Bruder vom verstorbenen König. Nach einer kurzen Rede wurde das königliche Buffet eröffnet und das alles unter der Begleitung vom jordanischen Fernsehen. Während des Buffets kam dessen Sohn der Prinz Dr. Firas Bin Ra´ad der die Schirmherrschaft vom Vater übernimmt. Nach einer kurzen Rede kam er zu uns an den Tisch und hielt Smalltalk mit den Läufern. Es ging dabei ganz locker und sehr nett zu.

Freitag, 9. April Marathontag - Nach einem fast nächtlichen Frühstück im Hotel hieß es auschecken und per Bus zur zentralen Sammelstelle aller Läufer. Hier mussten nun alle ca. 4000 Läufer und Läuferinnen per Bus zu den einzelnen Startplätzen gebracht werden. Bei sehr frischen 7-8 Grad froren und zitterten viele Teilnehmer. Es herrschte das Chaos pur, aber wir sind in einem arabischen Land und da heißt es Ruhe bewahren. Nachdem schon viele Busse abgefahren waren erblickte so eine halbe Stunde vorm Start einer unserer Gruppe einen Marathonbus. Wir stürmten hinein und los ging es zum ca. 10 km entlegenen Startplatz. 10 Minuten vorm Start kamen wir am Marathonstarttor an und fast alle stellten sich an die drei Toilettenhäuschen an. Zwischendurch wurde unser Chip gescannt und die Startzeit rückte schnell näher. Drei Minuten vor dem Start rannten alle in das hohe Gras und ich konnte so kurz vor 7 Uhr endlich ins Häuschen. Den Startschuss hörte ich im Häuschen und machte meinen Start kurz danach direkt vom Dixiklo auf die abgesperrte Straße. Wir starteten auf ca. 800 Meter über NN und werden im Ziel auf 400m unter NN sein. Die große breite Straße war halbseitig für die Läufer gesperrt und zusätzlich an allen Ein- und Ausfahrten standen Polizisten und Militär die keinen auf die Laufstrecke ließen. Nach dem ersten Bergabstück gab es zwei kleine Wellen und dann einen herrlichen Blick ins rechtsseitig gelegene Tal. Durch die geringe Teilnehmerzahl hatte sich das Feld sehr schnell auseinander gezogen und man lief relativ allein. Wir liefen die gleiche Strecke wie die 50km Ultaläufer, weshalb auch die Kilometerschilder bei uns auch mit 8km anfingen. Während des Laufes musste man immer 8km anziehen und hatte so seine gelaufenen Kilometer. Links und rechts der Straße lagen einige wenige Häuser und Läden. Es ging vorbei am King Hussein Bin Talal Convention Center. Da es teilweise sehr stark bergab ging konnte man nicht locker laufen und die Verkehrshinweise „ Reduce Speed now“ galt auch für uns Läufer. Schon nach wenigen bergab Kilometern merkte man das die Oberschenkel dick wurden. An manchen Stellen konnten wir Beduinenzelt erkennen oder auch Menschen mit ihren Ziegenherden am kahlen Berg. Wir kamen durch einen kleinen Ort mit einer Moschee und es ging weiterhin steil bergab die nächsten Kilometer. Nach rechts gab es einen freien Blick in die gegenüberliegenden Berge. Bei Km 18 kam der erste Ultraläufer und schoss an mir vorbei begleitet durch einen Krankenwagen. Kurz danach kam ein Hinweisschild Dead Sea 18km. Hier war auch der Hinweis Sea Level. Auf den ersten 18km sind wir schon 800 Höhenmeter runter gelaufen. Jetzt kommt die Sonne durch und es wird warm. Wir sind bei Km 21 und die Temperaturen sind schon an die 25 Grad geklettert. Die Landschaft ist hier herrlich und es gibt immer wieder vereinzelt Menschen am Straßenrand die uns zujubeln. Viele rufen auch „Welcom in Jordan“. Jetzt kommen die langen Geraden die am Horizont verschwinden. Die Sonne beginnt an zu brennen. Das Wasser wird jetzt teilweise zum kühlen vom Körper genommen. Rechts der Straße ein Schafhirte der sich im Schatten der wenigen Bäume vor der Sonne schützt. Ganz vereinzelt kommen Ultaläufer an mir vorbei. Die Hitze und die Tatsache das ich vor 4 Tagen Marathon gelaufen bin zwingen auch mich zu einer Gehpause. Ich sehne mich nach jeder Wasserstelle. Alle 3km gab es Wasserstationen. Den Läufern wurden 0,5l Flaschen angereicht. Nach wenigen Schlucken wurde die fast volle Flasche weggeworfen. Welche Verschwendung in einem Land das kaum Wasser hat. Am km Schild 42 habe ich 34 Kilometer schon hinter mir und die Halbmarathonis 13 km. Neben der Straße führt einer ganz gemütlich sein Dromedar aus. Rechst der Straße ist das Tote Meer zum ersten Mal in Sicht. Die ewig lange Gerade macht einen Knick und es geht auf die nächste lange Gerade am Meer entlang. Schon ab Kilometer 15 für die Halben sammel ich die ersten Teilnehmer ein, die über eine Stunde nach mir gestartet sind. Hier gehen jetzt ganze Gruppen von Jugendlichen mit Startnummer als ob sie einen Schaufensterbummel machen. Der langsamste Halbmarathonis wird heute eine Zeit von 4:58:33 haben. Die Sonne brennt einem unerbittlich aufs Fell und ich habe noch ca. 4 Kilometer zum Ziel. Jetzt kommen einige Wellen die einem mit den dicken Beinen wie Berge vorkommen. Um mich rum gibt es fast nur noch Halbmarathonwanderer. Jetzt drei Kilometer vorm Ziel überhole ich auch noch 10km Läufer, wo der letzte das Ziel nach 5:11:41 erreichen wird. Die Wellen tun weh aber das Ziel ist nicht mehr weit. Ich sehe von weitem rechts neben der Straße den Beach Club wo auch das Ziel ist. Die letzten 1.500m laufe ich in einem Rausch aus Hitze und Freude dem Ziel entgegen. Es sind mittlerweile 32 Grad und die ganze Strecke gab es keinen Schatten. Juchhu es ist vollbracht. Nils erwartet mich hinterm Ziel und knipst Fotos von unserer Gruppe. Jetzt nur noch Schatten, trinken und ausruhen. Mein Garmin zeigt mir 4:48 Stunden und ich bin damit wirklich zufrieden. Schade nur das durch einen technischen Defekt meine Zeit nicht in der Ergebnisliste ist. Auf einer Urkunde die auch in arabisch ist wird mit mein Lauf dann bestätigt. Unser Bus wartet hinterm Ziel mit den Badesachen. Umziehen und ab ins Tote Meer. Ich konnte mich persönlich überzeugen das all die Bilder der Schwimmer auf dem Wasser wirklich echt sind. Das Wasser trägt einem ohne Schwimmbewegung. Vorsicht wer eine offene Wunde am Körper hat es ist reines Salzwasser mit einer sehr starken Konzentration. Nach dem Bad hat man das Gefühl richtig eingeölt zu sein. Nach der Siegerehrung die durch seine Exzellenz Prinz Firas Raad vorgenommen wurde ging es zum nahe gelegenen 5 Sterne Mövenpick-Hotel Dead Sea. Die direkt am Toten Meer gelegene Hotelanlage gleicht einem Paradies. Am Abend bei einsetzender Dunkelheit gab es ein Marathonabschluss-Buffet vom feinsten. In der Hotelanlage gibt es ein Amphittheater auf deren Terrassen wieder fürstlich gedeckt war. Ein wirklich würdiger und ganz toller Marathonabschlussabend mit einem Programm aus Bauchtanz.

Samstag, 10. April - Nach dem Frühstück gab es einen halben Tag um die Anlage zu genießen bevor es weiter ging zum Jordan der hier die Grenze von Israel und Jordanien bildet. Der Ort Bethany liegt nur wenige Kilometer nördlich vom Totem Meer. Hier liegt an einem kleinen Teich mit Zufluss des Jordan die Stelle wo Johannes der Täufer Jesus getauft hat. Kurz daneben erheben sich die Reste der Kirche Johannes des Täufers. Ein Stück weiter führen Stufen hinunter zur einer Holzplattform direkt am Jordan. Einige füllen hier Flaschen mit dem heiligen Wasser des Jordan ab für zuhause, mir reicht es das Wasser durch meine Hand laufen zu lassen. Es geht weiter in die Berge. Der Bus schlängelt sich über zigfache Serpentinen hinauf zum Berg Nebo. Unterwegs sehen wir wieder Beduinen mit ihren Ziegenherden die noch ihre Winterzelte aufgebaut haben. Der Berg Nebo wo auch Moses starb zieht seit Beginn der Christenheit Pilger hier rauf. In der Bibel heißt es: Und Moses stieg aus den Gefilden Moabs auf den Berg Nebo, auf den Gipfel des Pisga gegenüber Jericho…Die Aussicht bei klaren Wetter ist fantastisch. Der Blick geht über das Tote Meer und Jericho, bei Fernsicht soll man sogar bis Bethlehem und Jerusalem sehen. Wir besuchen das Museum in dem u.a. ein Modell der Moseskirche ist. Da die Reste der Moseskirche gerade restauriert werden kann man die Mosaiken in einem Zelt aus Ziegenhaardecken besichtigen. Es geht weiter durch das fruchtbare Madaba und durch einsame Landschaften. Unser Weg führt uns nach Petra das zu den Neuen Sieben Weltwundern gehört. Nördlich der Stadt verläuft der alte Handelsweg der Weihrauchstraße und Knotenpunkt vieler Handelrouten die Damaskus, Ägypten, Syrien, Jemen und das Mittelmeer verbanden.

Sonntag, 11. April - Heute geht es in die Felsenstadt Petra. Wir durchlaufen ein anfänglich breites Tal an deren Seitenhängen sich schon viele Gräber im Felsen befinden. Wir kommen an drei Djinblöcken, früherer Nabatäergräber sowie am Obeliskengrab vorbei Der Beginn des eigentlichen Highlights beginnt an The Siq, der Schlucht. Es geht durch enge Felswände immer bergab vorbei an wunderbar farbigen Felsen die uns jetzt noch Schatten geben. In einigen Felsen ist eine Kamelkarawane eingeschliffen. Neben uns folgt uns eine Steinrinne die die frühere Wasserversorgung der Stadt war. Dort wo die Felsen am höchsten und engsten sind schimmert die Sonne durch und einige Fragmente des wohl berühmtesten Denkmales al-Kazneh, dem Schatzhaus werden sichtbar. Dann stehen wir vor 40m hohen und 25m breiten in Fels gehauenen Schatzhaus des Pharao. Über einem Portikus aus sechs korinthischen Säulen befindet sich eine kleine, von zwei Halbgiebeln flankierte Tholos, ein Rundtempel. Zwischen den Säulen befinden sich die Reste von verwitterten Relieffiguren. Dies ist der Eingang zur eigentlichen Stadt. Nur ein Stück weiter öffnet sich das Tal und die ganze Stadt wird in ihren Ausmaßen sichtbar. Wir durchlaufen das Tal und kommen an vielen Felsengräbern die an beiden Seiten in den Felsen gehauen sind vorbei. Das Römische Theater linker Hand mit bis zu 5.000 Sitzplätzen wurde auch direkt aus dem Felsen gehauen. Wir durchlaufen eine Säulenstraße bis zum ehemaligen Haupttempel der Stadt. Das Auge weiß gar nicht wo soll es als erstes hinblicken. Dieses Tal ist einfach wunderbar, die Farben der Felsen sind teilweise wie Edelsteine marmoriert, einfach super. Wir durchstreifen das Tal der Länge nach und gehen nach einer Pause hinauf zu den Königsgräbern. Hier liegen auf engstem Raum nebeneinander das Urnengrab, das Grab des Uneishu, das farbintensive Seidengrab sowie das korinthische und das Palastgrab. Nach 5 Stunden machen wir uns langsam auf den Rückweg. Für heute reicht es uns. Nach fast sieben Stunden Fußmarsch und sehr viel Sonne gehen wir durch das enge und kühlende Tal zurück. Jetzt geht es per Bus weiter ins Landesinnere in die Wüste zu unserem heutigen Ziel dem Wüstencamp ZAHWAIDEH im Wadi Rum. Im Camp angekommen werden die Beduinenzelte aufgeteilt. Das mit einer Ziegenhaardecke umhüllte Drahtgestell hat einen Sandboden auf dem eine Holzpritsche zum Schlafen steht. Die Gruppe begibt sich zum Felsen wo wir auf das Essens warten. Unser Führer Osama geht mit uns hinter die Zelte wo die Beduinen einen Hammel im Erdreich gegart haben, nach alter Beduinenart. Wir sehen dabei zu wie unser Essen aus dem Erdreich geholt wird und uns anschließend serviert wird. Es schmeckt köstlich. Wir sitzen noch bis in die tiefe Dunkelheit unter den Felsen bis uns zu kalt wird und machen uns dann im Dunkeln ins Zelt. Der versprochene Sternenhimmel viel wegen Dunst jedoch aus.

Montag, 12. April - Um 6 Uhr krochen schon viele aus den Zelten um den Sonnenaufgang in der Wüste zu erleben, leider nebelig. Nils lief um 7 Uhr mit einer Gruppe gegenüber in die Wüste zu einem kleinen Lockerungslauf. Danach gab es Frühstück im Freien und wieder Sachen packen. Es ging per Bus zum Wadi Rum Visitor Center wo die große Gruppe in 6er Kleingruppen aufgeteilt wurden. Per Landrover/Toyota ging es in die Wüste vorbei an einer Gruppe Dromedaren zu einer großen roten Sanddüne. Hier wurde ausgestiegen und der rote Sand erklommen. Von oben hat man einen herrlichen Blick über die umliegenden Täler und Berge. Vor uns liegt das Tal in dem der amerikanische Film Lawrence von Arabien gedreht wurde. Mit Tempo ging es dann die Düne runter und unsere Schuhe wurden durch den vielen Sand zu eng. Wir durchfuhren kilometerweit das Wadi. Die riesigen Sandsteinfelsen bis zu 750m hoch sind werden von den Beduinen mit ihren Jeeps umkurvt und manchmal hat man das Gefühl sie würden auf dem Sandboden Rennen fahren. An einem großen Felsen machen wir halt. Die Ritzungen in den Felsen erzählen vom Leben der Nomaden, sind jedoch noch längst nicht alle entschlüsselt. Die Bilder und Schriften gehen bis in das 5. Jahrhundert vor Christi zurück. Weiter geht es über Dünen und durch eine Schlucht zu einem großen Beduinenzelt in einem Seitental. Im Zelt gibt es grünen Tee mit Salbei, der sehr köstlich schmeckt. Da die Beduinen auch Händler sind werden sofort Tee, Tücher und andere Waren an den Mann bzw. die Frau gebracht. Anschließend geht es per Jeep mit viel Speed zurück durch Dünen und Täler zum Bus. Unser nächstes Ziel ist Aquaba am Roten Meer. Schon weit vor der Stadt werden wir durch eine Palmenallee empfangen. Aquaba wird auch die Stadt der Tausend Palmen genannt. Hinter der Stadt direkt am Meer liegt unsere 5 Sterneanlage. Luxus pur. Der Rest des Tages wird mit schwimmen im Roten Meer oder im Pool verbracht. Es ist Ruhe und Erholung angesagt. Der Abend wird mit einem tollen Buffet beendet.

Dienstag, 13. April - Der Morgen beginnt mit einem Lockerungslauf unter Palmen am Strand entlang. Den restlichen Vormittag nutzen die meisten zum Entspannen und Baden im Roten Meer. Vom Strand aus liegt in Sichtweite ca. 20km gegenüber Ägypten mit der Sinaihalbinsel, ca. 30 km nördlich liegt Eilat/Israel das wir auch sehen können und ca. 8 km südlich am Meer entlang liegt Saudi Arabien. Die Sonne hat die 30 Grad schon wieder erreicht. Nun heißt es Abschied nehmen von dieser Luxusanlage. Wir machen noch einen längeren Stop in der Altstadt von Aquaba. In kleinen Gruppen oder auch einzeln wird jetzt die Altstadt mit den vielen kleinen Märkten erkundet. Uns zieht es kreuz und quer durch die engen Gassen. Es ist für uns schon etwas chaotisch wie hier teilweise gehandelt wird. Jeder hat hier etwas gefunden von Tüchern über Tee, CD´s mit arabischer Musik und viele andere Mitbringsel. Jetzt geht es per Bus in 4 Stunden zurück nach Amman. Eine wunderbare Woche geht zu Ende. Ich habe fast 800 Fotos gemacht die es zu Hause gilt zu bearbeiten. Unser Reiseführer Osama fand die passenden Worte zum Abschied: Der Herr gebe uns Menschen, die Zeit und Geduld mit uns haben den vielen Geschichten zu zuhören und die vielen, vielen Bilder anzusehen. Den Abend ließen wir ausklingen im Restaurant Windsmill in Amman. Heute wurden uns neben den vielen Mezzeh auch verschiedene Fleischspeisen (Beef, Chicken, Lamm) serviert. Nach dem Essen gibt es in Jordanien immer Tee oder Kaffee. Die Jordanier bevorzugen Kräutertees. Anis wird zur Beruhigung getrunken, Fenchel hilft gegen Blähungen, Kamille reinigt die Atemwege, Thymian hilft gegen Husten, Salbei und Minze wirken magenberuhigend. Bei den meisten Tees wird Grüner Tee genommen und durch die Kräuter verfeinert.

Mittwoch, 14. April - Heute heißt es Abschied nehmen von einem sehr gastfreundlichen und sicherem Land. Die vielen Eindrücke von dieser Reise werden uns sicherlich nicht nur Wochen sondern unser Leben lang begleiten, denn solche Eindrücke sind bleibend. Schukran Jordan – Danke Jordanien.

15.04.2010 von Bernd Neumann

Quelle: Bernd Neumann
Copyright 2010 Bernd Neumann